22. Kiwipicking

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Hey Hey!
Für diejenigen unter euch, die sich jetzt fragen "Ist sie noch am Leben?"- ich kann euch diese Frage getrost mit Ja beantworten. Entschuldigung für die lange Abstinenz, aber Sina und ich sind seit fast zwei Monaten wieder am Arbeiten in Opotiki und der Alltag hat wieder so viel Einzug gehalten, dass ich den Blog schon vergessen hatte. 
Unsere Arbeit dieses Mal ist es Kiwis pflücken geworden, also jedes Mal wenn ihr jetzt eine goldene oder grüne Kiwi aus Neuseeland im Supermarkt kauft, dann sind die Chancen hoch, das wir sie gepflückt haben. Kiwis pflücken (oder auch im Fachenglischen: Kiwipicking) macht unheimlich viel Spaß, auch wenn wir anfangs drei Tage lang unfassbare Rücken-, Schulter- und Armschmerzen zu beklagen hatten. Inzwischen sind wir aber natürlich Profis und auch schon ziemlich schnell. Aber ich beginne am besten am Anfang...
Unser Weg nach Opotiki hat uns durch den Tongariro National Park geführt (auch besser bekannt als Mordor aus Herr der Ringe) und wir kamen aus dem Staunen nicht so ganz heraus, so schön sah es dort aus. Für ein paar Fotos wurde dort angehalten und kurz verschnauft. Einen Tag verbrachten wir noch glücklich in Rotorua und Taupo, wo wir ja im Dezember schon waren und eine Nacht schliefen wir sogar auf dem Freedom Campingspot, auf dem ich meine erste (zugegeben sehr traumatische) Campingerfahrung hatte. Dieses Mal war es nicht schöner, aber wir sind ja leider echt Camperprofis geworden und wussten einfach, wie man die unschönen Dinge umgeht. Merke also: Wenn der Campingplatz eklig ist, fährt man am nächsten Morgen eben zu den nächsten öffentlichen Toiletten und macht sich dort fertig. Funktioniert garantiert. 

Nach diesem Intermezzo sind wir wieder in Opotiki angekommen und Leute: hier hat sich nichts verändert. Fühlte sich alles an wie nach Hause kommen, nur dass dieses Mal andere Leute dort waren. Also echt überall. Hat mich sentimentale Heulsuse einige Tage gekostet, aber es ist wieder total cool hier. 
Die ersten Tage Kiwipicking waren so ungewohnt, da man den ganzen Tag mit einem Bag herumlaufen muss, der mit Kiwis gefüllt werden soll. Voll beladen wiegt der auch bestimmt 10 Kilo oder sogar mehr, die ersten Tage waren also mehr ein Workout als Kinderspiel. Auch geht es extrem um Schnelligkeit, da hier nach Bin (das ist so eine Holzkiste) bezahlt wird und man im Team von 10-15 Leuten arbeitet. Sina und ich waren ja klug und haben wieder bei unserem alten Chef Lovely angefangen, für den wir im Januar und Februar schon (sehr glücklich) gearbeitet haben. Das war wirklich so eine gute Entscheidung, da alle indischen Arbeitskollegen noch da sind und die hatten wir ja wirklich vermisst! Die Stimmung im Team ist auf jeden Fall super.
In der langen Zeit, in der wir jetzt hier sind, sind viele Leute neu dazugekommen und haben sich wieder verabschiedet. Ich habe ja eine lange Abneigung gegen Abschiede und sie nehmen mich emotional immer total mit. Und auch wenn ich hier schon wieder unzählige erlebt habe und es schon viel besser geworden ist mit der emotionalen Seite, merke ich doch, wie schwer mir Abschied immer noch fällt. Der Gedanke, alle meine Arbeitskollegen hier nie wieder zu sehen, ist schon irgendwie mehr als traurig. Auch wir werden uns in ungefähr zwei Wochen, vielleicht auch weniger, wieder aufmachen. Ich fasse euch mal eben die wichtigsten Geschehen der letzten zwei Monate Opotiki in einigen Bulletpoints zusammen :D

- Mir wurde mein Handy geklaut, während ich mit meinen Mitbewohnern am Strand war. Anzeige bei der Polizei ist erstattet und nach einer Woche hatte ich auch schon wieder ein neues Handy (Spoiler alert: Das ist irgendwie kaputt, ich kann niemanden anrufen und auch nicht angerufen werden und meine mobilen Daten nicht benutzen. Emergency calls only habe ich mittlerweile so oft gelesen, dass es mir total zum Hals raushängt). Also nein, ich habe niemanden bei WhatsApp blockiert, ich habe nur einfach keine Nummern mehr. Meine deutsche SIM Karte habe ich aber glücklicherweise noch, meine neuseeländische Nummer ist aber weg. Aber auch hier hab ich schon eine neue, kann halt nur nicht angerufen werden. Danke, Samsung. Der Handyklau tut weh aufgrund der ganzen Bilder und Notizen, aber ich hab eigentlich ganz cool reagiert und es hat mich auch echt nicht besonders wütend gemacht. War eine faszinierende Erfahrung, weil ich sehr gut ohne Handy leben konnte.
- Sina war (okay, ist) ziemlich krank und laboriert seit einigen Tagen an einer Mischung aus Grippe, Erkältung, teuflischen Rückenschmerzen und noch anderen Leiden herum. Sie geht aber schon wieder arbeiten, auch wenn es ihr ziemlich schlecht dabei geht. Wir waren noch nicht beim Arzt und probieren, das Ganze mit Ingwertee zu bekämpfen. Funktioniert eher so semi, aber der erste Schritt war, dass sie wieder zur Arbeit gehen kann. Das sehr zu meiner Erleichterung, denn Arbeit ohne Sina ist nicht dasselbe. Auch wenn ich mit meinem indischen Lieblingskollegen zusammenarbeiten durfte, Sina und ich sind ein totales Dreamteam :D
- Wir haben unseren Flug nach Hause gebucht, Anfang Juli ist es soweit. Ende Juni fliegen wir aber erstmal für eine Woche nach Australien, einen Freund von mir besuchen. Dass das Ende unserer Reise in Sicht ist, macht mich unfassbar traurig und ich entwickele seit einigen Tagen einen richtigen Weltschmerz, weil ich mich wieder umgewöhnen muss :D (ich alte Heulsuse). Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich wohl für immer hier bleiben.
- Unser Auto hat den neuseeländischen TÜV nicht bestanden, was uns allerdings klar war, und steht seit zwei Tagen in der Werkstatt. Was da jetzt los ist, weiß niemand so richtig, da das einzige Problem die beiden Hinterreifen waren. Wir sind jetzt also erstmal auto-los und müssen mit unserem Teamleiter zur Arbeit fahren. Auch ein Erlebnis. Wir lieben indische Musik jetzt schon sehr.
- Beim Kiwipicking verdienen wir so viel mehr Geld als damals beim Fruit Thinning und dem anderen Kram- wir sind aber natürlich nicht reich und das Geld ging erstmal für Flüge, Auto, etc. drauf. Anfangs waren wir noch mega langsam und das Ganze war eher ernüchternd, aber an guten Tagen haben wir schon 30 Dollar pro Stunde gemacht (Mindestlohn sind 16,50). Man erfährt auch wirklich, wie kompliziert und groß dieses Kiwibusiness hier ist. Wir lieben Kiwis aber immer noch sehr, auch wenn wir jeden Tag tausende sehen, und nehmen immer reichlich von der Arbeit for free mit, weil die hier im Supermarkt so teuer sind.
- Der Winter hält Einzug in Neuseeland und teilweise fallen die Temperaturen hier nachts auf 0 Grad. Wir mussten uns erstmal mit wärmeren Klamotten eindecken. Tagsüber ist hier noch alles prima, aber sobald die Sonne untergeht, wird es richtig unangenehm. 

Es gibt noch soooo viel mehr zu erzählen, aber ich bin schon wieder müde und wir haben einen langen Picking- Tag hinter uns. Arbeit macht wirklich Spaß, schlaucht aber auch extrem. Ich würde euch natürlich super gern mal Bilder von der Arbeit zeigen, da muss ich mal schauen, ob ich einfach so mal ein paar machen darf :)
Bis dahin, haltet die Ohren steif und kauft fleißig Zespri- Kiwis aus Neuseeland ;)



Kommentare

  1. Wie schön, wieder von Euch zu hören! Ich hatte es schon fast aufgegeben, den Blog aufzurufen.
    Gute Besserung an Sina und meine Bitte, geht zum Arzt wenn es so dramatisch klingt (Wunsch einer Mutter ;) )
    Genießt die letzten Wochen und hoffentlich lässt sich der Wagen wieder gangbar machen.
    Zuhause freuen sich alle auf den Rückflug. Liebe Grüße!

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  2. Schöne Bilder und toller Text!!! Da wäre ich gerne dabei! Ich freu mich, dass es euch so gut gefällt und hoffe aber auch, dass ihr euch auch ein wenig auf den Rückflug ubd ein Wiedersehen mit Deutschland, Holland und Familien freut!
    Aber auch ich meine, dass Sina unbedingt zum Arzt gehen sollte (Wunsch (d)eines Vaters)! Und sie sollte in dem Zustand auch nicht arbeiten (Wir überlegen die "Lohnfortzahlung").
    Ich freue mich riesig auf euren Rückflug!!!!!!!
    L.G. L. St. (P)

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  3. Ich meinte natürlich "Wir übernehmen die Lohnfortzahlung!" und nicht "überlegen"!!!
    Das schei.... Samsung hat sich da mal wieder selbstständig gemacht!
    L.St. (P.)

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